Was beeinflusst die Reichweite?

  • Wir haben ja im Forum zwischenzeitlich einige erfahrene Elektromobilisten .


    Mich interessiert brennend das Verbrauchsverhalten eines E-Autos.


    Bei meinem Diesel weiß ich, dass der Verbrauch im Stadtverkehr am höchsten ist. Wenn ich gemütlich mit 120 km/h über die Autobahn fahre, messe ich einen ziemlich geringen Verbrauch und wenn ich ordentlich Gas gebe, kann ich der Tanknadel beim Fallen zusehen.


    Bei einem E-Auto soll der Verbrauch ja kontinuierlich im Verhältnis zur Geschwindigkeit steigen.


    Wie sind Eure Erfahrungen? Auf welche Verbrauchswerte kann ich mich beim Mustang einstellen, wenn der angegebene WLTP-Wert von 18 kWh je 100 km tatsächlich zutreffen würde?

    Mir scheint dieser Wert im Vergleich zu anderen Fahrzeugen (z. B. Jaguar e-Pace) ziemlich niedrig.

  • Im Prinzip hast du dir die Frage ja schon selber beantwortet.

    Genau so ist es. Im Stadtverkehrt verbraucht mein iOniq so zwischen 12 und 14 kWh, Autobahn mit 120 zwischen 15 und 16 und mit 165 km bis 21 kWh.

    Beim Mach e rechne zwischen 18 und 27 kWh.

    Auf der Seite von Spritmonitor kannst du dir die realen Verbräuche von BEVs anschauen.

    Da diese Werte von den Nutzern eingetragen werden, sind diese schon sehr real.

  • Bei einem E-Auto soll der Verbrauch ja kontinuierlich im Verhältnis zur Geschwindigkeit steigen.

    Der Verbrauch steigt überproportional mit der Geschwindigkeit, weil der Luftwiderstand im Quadrat zur Geschwindigkeit steigt.

    Der Rollwiderstand steigt mit der Geschwindigkeit so gut wie gar nicht, dieser Anteil am Verbrauch bleibt (als Absolutwert) also annähernd gleich.

    Bis ca. 55kmh ist der Rollwiderstand größer als der Luftwiderstand, ab 80kmh wird der Verbrauch durch die Luftverdrängung spürbar größer.

    Den größten Einfluss auf den Verbrauch hat auch beim E.-Auto die Fahrweise.

    Weil der E.-Antrieb viel effizienter ist als der Verbrennungsmotor, fallen hier die Verbrauchsunterschiede durch höhere/niedrigere Geschwindigkeit viel mehr ins Gewicht.

    Der Verbrenner produziert in erster Linie Wärme, die kinetische (Antriebs-)Energie ist eher ein Nebenprodukt.

    Das ist ein weiterer Punkt, der beim E.-Auto auffällt: Im Winter ist nicht genug Abwärme da, um den Innenraum zu heizen, die Energie hierfür muss also zusätzlich aus der Batterie gezogen werden.

    Der Verbrenner gibt dann halt einfach weniger Abwärme direkt in die Umgebungsluft ab.

    "A customer can have a car painted any color he wants as long as it’s black." (H. Ford)

  • Ich habe seit knapp über einem Monat ja einen E-Golf mit 136PS als Zweitwagen. Ohne Wärmepumpe.

    Was ich zum Verbrauch sagen kann. Das Auto hat Standard, Eco und Eco+ Modus. Eco riegelt bei 120km/h ab. Eco+ riegelt bei 90km/h ab und schaltet zudem die Heizung komplett aus. Jedoch kommt noch frische Lust rein.


    Also:


    - In Eco+ Fahrweiße in der Stadt bei einer sehr chilligen Fahrweiße liegt der Verbraucht bei der kleinen Kiste immer zwischen 18-20kWh auf 100km.


    - Eine Überlandfahrt im Eco+ Fahrmodus auf einer Entfernung von 50km am Abend hat dazu geführt, dass der Durchschnittsverbrauch am Ende bei 14,8kWh auf 100km lag.


    - Eco+ führt dazu, dass das Auto sehr sehr sanft anfährt. Das spart wohl einiges an Energie.


    - Fahre ich im Standard Modus mit sagen wir mal 150km Restreichweite und schalte auf Eco+ um, erhöht sich die Reichweite locker um 40km. Andersrum tut es meistens richtig weh, wenn ich im Eco+ rumfahre und dann Lust auf Beschleunigungsextase habe (jaa 136Ps reichen dafür schon fast aus ^^), dann springt die Restreichweite von 150km auf 110km. Hier überlegt man sich immer 2 mal ob man den Eco+ ausschaltet ^^


    - Bei dem E-Golf ist die Gesamtreichweite von 200km schon ziemlich gering, daher schaut man auf die Sache ganz anders. Bei dem Mach-E wird es definitiv nicht so sein.


    - Zudem kostet der Strom auf 100km lächerliche 4€ beim Bezug aus dem öffentlichen Netz. Die letzten Tage schaue ich gar nicht mehr auf den Verbrauch. Interessiert mich inzwischen nicht mehr 8)


    - Und natürlich Kälte mag die Batterie nicht so. Bei 2° Draußen habe ich das Gefühl, dass ich immer 50km weniger zur Verfügung hatte als z.B. mit 9° Temperatur.

  • Herzlichen Dank für die ausführlichen Rückmeldungen. Damit kann man wirklich was anfangen:thumbup::thumbup::thumbup:


    Der tatsächliche Durchschnittsverbrauch beim Mustang dürfte aus meiner Sicht auch bei ökonomischer Fahrweise eher über 20 kWh liegen. Ist aber aufgrund der großen Batterie nicht wirklich ein Problem.


    Da ich mich auch bei meinen bisherigen Verbrennern mehr am niedrigen Verbrauch als an hoher Geschwindigkeit erfreut habe, werde ich auch beim Mustang meinen Spass finden, den Verbrauch möglichst unter die 20 kWh zu drücken ;).

    Und wenn man dann bei 120 km/h ganz entspannt über die Autobahn cruised, dann hat man bis zum Ziel auch länger Spass am Fahren :). Ansonsten verbringe ich die eingesparte Zeit ja zum Laden an der Raststätte :cursing: - und unnötig Kaffee trinken soll ja auch nicht so gesund sein.


    Ich bin vor einigen Jahren mal 400 km von Taunusstein nach München gefahren und habe die Geschwindigkeitsmöglichkeiten meines Autos soweit möglich ausgeschöpft.

    Ergebnis:

    - gerade mal 15 Minuten Einsparung

    - Stressfaktor um mindestens 500% gesteigert

    - Verbrauch 50% mehr

  • Es sei jedem gegönnt 😎


    Die unterschiedlichen Vorlieben sind auch gut! Schrecklich, wenn ich auf der Fahrt von Taunusstein nach München immer dieselben Autos vor, hinter und neben mir hätte, weil Alle meine Vorlieben teilen 😂


    Ausgenommen natürlich, es wären alles schöne Mustangs (die V8 schließe ich ausdrücklich ein) 😉